Ratgeber: Tipps gebrauchtes Fahrrad kaufen

Was muss man beachten, wenn man ein gebrauchtes Fahrrad kaufen will? Um diese Frage geht es in unserem Ratgeber.

Ratgeber: Gebrauchtes Fahrrad kaufen

Wenn man lediglich 50,- oder 100,- EUR für ein gebrauchtes Fahrrad bezahlt, dann spielt es vermutlich keine große Rolle, weil ein etwaiger Schaden überschaubar ist.  Anders sieht es aus, wenn man sich ein gebrauchtes Rad von einem namhaften Fahrradhersteller für einige hundert Euro kaufen möchte.

Praxisbeispiel

Auf einem Anzeigenportal sind wir auf ein gebrauchtes Rad der Fahrradmanufaktur vom Typ T900 mit 14 Gang Rohloffschaltung aufmerksam geworden. Das Fahrrad stand in Lübeck und sollte EUR 1.100,- kosten. Ein sehr attraktiver Preis in Anbetracht eines aktuellen Neupreises von fast 3.000,- EUR. Der Zustand des Rades wurde als sehr gut beschrieben und auch das Serviceheft und eine Rechnung sollte dabei sein.

Kurzerhand fuhr ich mit einer weiteren Person, die als Zeugin fungierte, nach Lübeck. Hierbei entschieden wir uns für Bus und Bahn, da mit Hilfe einer Fahrradkarte der Transport entsprechend erleichtert worden wäre.

Wir klingelten und wurden freundlich begrüßt. Bereits auf den ersten Blick vielen mir diverse Stellen auf, an denen der Lack beschädigt wurde und dort einfach mit einem Filzstift nachgemalt wurde. Das war nicht meine Vorstellung von einem sehr guten Zustand.

Ich fragte nach den Papieren, mir wurde das Wartungsheft übergeben. Das Fahrrad sollte 1.000 KM gelaufen haben. Im Fahrradcomputer waren es schon 1.100 KM und im Wartungsheft stellte ich fest, dass der Fahrradcomputer erst bei der zweiten Wartung eingebaut wurde.

Obgleich der Verkäufer erzählte es wurde gerade erst eine komplette Inspektion vorgenommen, stand im Serviceheft lediglich das das T900 überprüft wurde.

Nun fragte ich nach der Rechnung, die man offensichtlich gern zurückbehalten hätte. Dort wurde der Fahrradkauf belegt, jedoch nicht neues Rad, sondern als Gebrauchtfahrrad. Der aktuelle Verkäufer hatte hierfür EUR 900,- bezahlt, wie es auf der Rechnung stand. Mir erzählte er natürlich, dass er weit mehr gezahlt hätte. Weiterhin stellte sich heraus, er hatte das Fahrrad noch nicht lange.

Grundsätzlich wäre der Preis für das Fahrrad wohl OK gewesen, jedoch wenn die Wahrheit jedoch in kleinen Stückchen ans Tageslicht kommt, weiß man nie was noch alles kommt.

Tipps: Worauf sollte man achten?

Aufgrund dieser Erfahrung möchten wir einen kleinen Leitfaden zur Verfügung stellen. Worauf sollte man achten, wenn man sich ein gebrauchtes Markenrad kaufen möchte. Unsere Tipps:

Vorab:

  1. Gibt es eine Einkaufsrechnung für das Fahrrad?
  2. Gibt es ein Wartungsheft, wurde das Rad regelmäßig gewartet?
  3. Wenn man das Baujahr / Kaufdatum kennt, kann man den Preis besser beurteilen.

Bei der Besichtigung:

  1. Allgemeinzustand prüfen.
  2. Modellbezeichnung prüfen.
  3. Sofern vorhanden Fahrradcomputer auf KM-Stand prüfen.
  4. Wartungsheft prüfen:
    – Stimmt die Rahmennummer überein?
    – Wann sind Wartungen erfolgt? (Bei Unklarheiten Fahrradhändler anrufen.)
    – Wurde Zubehör wie z. B. ein Tacho später eingebaut? (Könnte auf höhere Laufleistung hindeuten.)
  5. Einkaufsrechnung prüfen: Kaufdatum, Neu oder Gebraucht, Rahmennummer mit dem Fahrrad vergleichen.
  6. Probefahrt machen und Funktionsfähigkeit.
  7. Entscheidung:
    – Stimmt alles = Kaufen.
    – Mängel = Nachverhandeln.
    – Zweifel = Finger weg!

Sollte es sich um einen sehr großen Geldbetrag handeln, vielleicht erst mal besichtigen und später zur Bank und / oder eine Freund mitnehmen. Der schlimmst Fall wäre, wenn sich im nach hinein raus stellt, dass es gestohlen ist. Deshalb in jedem Fall den Eigentumsnachweis sprich Kaufbeleg prüfen und natürlich auch mitnehmen.

Der Preis

Was darf ein gebrauchtes Fahrrad kosten? Auf jeden Fall sollte man nicht mehr bezahlen als man sich leisten kann. Ein fairer Preis ist sicherlich ein Betrag, bei dem man sagen kann, dass er es einem persönlich Wert ist.

Wenn man einen Marktpreis zahlen möchte, dann sollte man in den verschiedenen Marktplätzen  vergleichbare Angebote prüfen.

Bezahlung

Barzahlung gegen Fahrrad mit sämtlichen Unterlagen ist sicherlich kein schlechter Weg. Vorkasse oder Überweisung ist in der Regel nicht empfehlenswert, wenn es sich um einen Privatverkauf handelt. Man sollte sich auch nicht von vermeintlichen Schnäppchen verführen lassen, die sich später als Betrug herausstellen.

Viel Erfolg

Wer diese Tipps befolgt sollte halbwegs auf der sicheren Seite sein. Viel Spaß beim Fahrradkauf.

 

 

 

 

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