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Auto

Welches Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil? – Ratgeber – UTBOERG TV

UTBOERG TV · 4. September 2020

Das beste Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil ist das, welches man fahren kann, mag und welches die persönlichen Anforderungen der Reise am ehesten erfüllt. Was nützt ein 18-Tonnen-Weltreisemobil, wenn man nicht den passenden Führerschein hat oder sich das Verschiffen auf den nächsten Kontinent nicht leisten kann? Bei der Wahl eines Weltreisefahrzeuges sollten die persönlichen Ziele und Möglichkeiten im Vordergrund stehen – nicht das Fahrzeug.

Welche Bedeutung hat der Führerschein?

Liegt die Gesamtmasse eines PKW/LKW/Wohnmobils unter 3,5 Tonnen, darf das KFZ mit der Führerscheinklasse B gefahren werden. Liegt die Gesamtmasse unter 7,5 Tonnen, ist Führerscheinklasse C1 erforderlich. Ab 7,5 Tonnen ist Klasse C und 2 (alt) notwendig. Im Ausland kann ggf. zusätzlich ein Internationaler Führerschein erforderlich sein.

Braucht ein Weltreisemobil Allradantrieb?

Die Frage wurde in zahlreichen Foren diskutiert. Die Vor- und Nachteile sind klar:

  • Allrad benötigt mehr Kraftstoff, macht den Wagen schwerer und hat mehr bewegliche Teile.
  • Allrad kann in anspruchsvollem Gelände helfen – eine Garantie, nicht steckenzubleiben, gibt es jedoch nicht.

Mehr Bodenfreiheit und eine Differentialsperre sind auf schlechten Wegen von Vorteil. Wer nicht ins Gelände oder in den Schnee will, kann auf Allrad häufig verzichten. Der Verzicht macht sich insbesondere beim Kaufpreis großer Expeditionsfahrzeuge wie Iveco oder Mercedes deutlich bemerkbar.

Wie autark muss man wirklich sein?

Gern wird bei Weltreisemobilen mit Superlativen geworben. Mit einem 1.500-Liter-Kraftstofftank kann man mehrere Wochen autark bleiben – doch jeder Liter Vorrat verursacht Gewicht und benötigt Raum. Ein leerer LKW bis 7,49 Tonnen wiegt oft bereits über 4 Tonnen. Man sollte sich für einen sinnvollen Kompromiss entscheiden, der zur gewünschten Reiseroute passt, und klar unterscheiden: Was ist zwingend lebenswichtig für Fahrzeug und Passagiere – und was ist verzichtbarer Luxus?

Warum alte Kisten kaufen?

Viele Käufer bevorzugen ältere Fahrzeuge aus zwei Hauptgründen: besondere Zuverlässigkeit bestimmter Fahrzeugtypen und Reparaturmöglichkeiten auf der Weltreise. Ein Euro-6-Diesel mit AdBlue läuft möglicherweise nicht mit schlechteren Kraftstoffqualitäten in Asien oder Afrika. Im Iran oder in Nepal wird es kaum Werkstätten geben, die ein solches System reparieren können. Das Fahrzeug müsste dann über hunderte von Kilometern abgeschleppt werden – kostspielig und unangenehm, wenn gerade das Visum ausläuft. Eine Werksgarantie ist außerhalb Europas meist wertlos.

Die Frage der Ersatzteilversorgung

  • Der VW Bus begeistert Romantiker, aber die Ersatzteilversorgung in Nepal ist in der Tat nicht die beste.
  • Der Steyr hat sich in der Szene verbreitet, aber die Ersatzteilversorgung über MAN (als Käufer von Steyr) soll nicht optimal sein. Ein Netzwerk zur Ersatzteilbeschaffung sollte vorab organisiert werden.
  • Der IFA LKW ist günstig und oft mit Allrad erhältlich – Ersatzteile dürften aber schwierig zu beschaffen sein.
  • Toyota ist weltweit vertreten und bietet damit mehr Möglichkeiten als andere Hersteller.
  • IVECO / Magirus: weltweiter Versand von Ersatzteilen.
  • Mercedes gilt als Hersteller mit der weltweit besten Ersatzteilversorgung.

Im Ausland sollte man sich bewusst sein, dass Ersatzteilpreise als Ausländer häufig höher ausfallen. Preis immer zuerst erfragen, bevor man einen Auftrag erteilt.

Weltreisemobile bis 3,5 Tonnen mit Dachzelt

Expeditionsmobile bis 3,5 t haben einen besonderen Reiz: kleine Führerscheinklasse, Parken in Wohngebieten, PKW-Geschwindigkeitsgrenzen, kein Sonntagsfahrverbot, günstigere Verschiffung. Beim Dachzelt gibt es zwei Möglichkeiten: Das klassische abnehme Dachzelt auf Dachträgern, oder das Hubdach, das direkt ins Fahrzeugdach integriert wird. Das Hubdach bietet Stehhöhe im Fahrzeug und ermöglicht ggf. die Zulassung als Wohnmobil – sollte vorab mit einem TÜV-Prüfer besprochen werden.

Was man fahren mag

Mit einem LKW zu fahren ist eine ganz andere Geschichte als mit einem Geländewagen. Wer mit Klasse 3 einen 7,49-Tonnen-LKW fährt, merkt schnell: schwere Kupplung, Getriebe das manchmal Nachdruck erfordert, weniger Parkmöglichkeiten in Städten. Ältere Expeditionsfahrzeuge sind auch wesentlich lauter als moderne Fahrzeuge. Einige Tage Probefahrt zeigen, ob man sich daran gewöhnen kann und will.

Fazit

Vor dem Kauf eines Expeditionsmobils sollten folgende Fragen geklärt sein: Welchen Führerschein habe ich? Welche Reiseroute ist geplant? Mag ich Dachzelte? Wie viele Personen reisen mit? Erst wenn das klar ist, kann man anhand von Gewichtsklasse und persönlichen Vorlieben das passende Basisfahrzeug auswählen.

Basisfahrzeuge bis 3,5 Tonnen

  • Toyota HZJ (HZJ 75 / 78)
  • Land Rover Defender
  • Mercedes G (300 GD, 230 GE)
  • Alternativen: Mitsubishi Pajero, Nissan Patrol, Toyota Land Cruiser

Basisfahrzeuge bis 7,49 Tonnen (Allrad)

Beliebteste Allrad-LKW:

  • Mercedes 917 AF (OM 366 LA, 170 PS, Euro 2)
  • Iveco-Magirus 90-16 AW Turbo / 75-16

Schwerpunkt Geländeeinsatz:

  • Mercedes Unimog
  • Renault TRM 2000
  • MAN G90 8.136 / 8.150 FAE 4×4

LKW über 7,5 Tonnen

Mercedes-Benz SK

Der Mercedes-Benz SK wurde 1988 vorgestellt und deckte die Gewichtsklassen von 17 bis 48 Tonnen ab. Motoren von ca. 218 bis 530 PS, V8 bis zu 14,6 Litern Hubraum. Die erste Generation (1989–1994) verfügte serienmäßig über eine Zentralschmieranlage. Von 1994–1998 folgte die zweite Generation mit elektronischem Motormanagement (Euro 2). Wer mechanische Technik bevorzugt: Mercedes SK bis 1994. Wartungsintervalle von bis zu 45.000 km im Fernverkehr waren möglich – die Solidität spricht für sich. Verbrauch: 22–38 Liter Diesel je 100 km unter Vollast. 1998 wurde der SK vom Actros abgelöst.

MAN gl KAT

Speziell für die Bundeswehr entwickelt, im zivilen Bereich kaum eingesetzt. Gilt als Fahrzeug mit den besten Geländeeigenschaften in seiner Klasse. Ausführungen: 5 t (4×4), 7 t (6×6), 10 t (8×8), 15 t (8×8) – wobei die Tonnenangabe die mögliche Zuladung darstellt. Die erste Generation konnte sogar schwimmen. Antrieb: luftgekühlte V8-Motoren (Deutz). Verbrauch: ca. 35 Liter je 100 km. Gilt als sehr zuverlässig und preiswert im Einstieg.

Steyr 12M18

Ursprünglich für den militärischen Einsatz entwickelt. Verfügt über Allrad, Untersetzungsgetriebe und drei Differentialsperren. Steht auf Einzelbereifung, Verbrauch ca. 22 Liter je 100 km. Die Ersatzteilversorgung über MAN (Käufer von Steyr) ist jedoch nicht optimal – ein Netzwerk sollte vorab aufgebaut werden.

Mercedes LAF 1113 (Kurzhauber)

Der „König der Herzen" – gebaut von 1959 bis 1984. Für Weltreisende besonders interessant: die letzte Modellpflege 1980–1984, erkennbar an drei Scheibenwischern. Motor: OM 352 X, Reihensechszylinder-Diesel mit Direkteinspritzung, 168 PS / 423 Nm. Sehr zuverlässig, Mercedes bietet gute Ersatzteilversorgung. Relativ laut (Motor vor dem Führerhaus). Verbrauch: unter 20 Liter je 100 km möglich.

IVECO, MAN und weitere Fahrzeuge

Weitere mögliche Basisfahrzeuge über 7,5 t: IVECO 120-25, MAN 18.225, Magirus 170 D 11 bis 192 D 12, DAF Leyland. Als ersten Einstieg sollte dieser Überblick reichen – letztlich entscheiden persönliche Präferenzen und die geplante Route.