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Auto

Fazit: Ein Jahr ohne Auto in Buxtehude – Erfahrungsbericht – UTBOERG TV

UTBOERG TV · 4. März 2020

Ein Jahr ohne eigenes Auto – ist das möglich? Wir haben es ausprobiert. Wir leben in Buxtehude – rund 40.000 Einwohner, ca. 40 km vom Hamburger Stadtzentrum entfernt, an den HVV angeschlossen. Der Bahnhof ist 1,9 km entfernt (20–30 Minuten zu Fuß), der nächste Supermarkt 550 Meter. Das Ergebnis nach einem Jahr ist ernüchternd.

Einkaufen mit dem Rad

Lebensmitteleinkäufe sind mit dem Fahrrad machbar. Der Zeitunterschied zum Auto beträgt ca. 5–10 Minuten je Strecke. Die Vor- und Nachteile:

Vorteile: Mehr Bewegung, frische Luft, umweltfreundlich, zeitlich flexibel.

Nachteile: Man kann nass werden. Getränkekisten nicht transportierbar. Fahrrad aus dem Keller holen kostet Zeit und Kraft. Mit 10–20 kg Ladung und Bergauf kommt man ins Schwitzen – eine Dusche danach ist nötig. Insgesamt mehr Zeitaufwand als gedacht.

Deutsche Bahn in Niedersachsen

Mit dem Niedersachsen-Ticket können zwei Personen für 29,- EUR durch ganz Niedersachsen und nach Hamburg reisen – inkl. Busfahrt. Das Schleswig-Holstein-Ticket ermöglicht ab Neu Wulmstorf z. B. die Fahrt nach Westerland auf Sylt für 33,- EUR. Mit dem Mecklenburg-Vorpommern-Ticket geht es ab Hamburg z. B. nach Rügen oder Usedom für 27,- EUR.

Alle Tickets gelten nur in Nahverkehrszügen (RB, Metronom) ab 09:00 Uhr. Das bedeutet lange Reisezeiten: Von Neu Wulmstorf nach Ostseebad Binz ca. 5 Stunden 35 Minuten – wenn alle Züge pünktlich sind.

HVV – Sauberkeit, Pünktlichkeit, Anbindung

Für zwei Personen kostet das 9-Uhr-Gruppen-Tagesticket 24,80 EUR (online 24,06 EUR) – im Vergleich zu den Autokosten recht teuer.

Sauberkeit: Einen sauberen Sitzplatz zu finden ist teils eine Herausforderung. Viele Fahrgäste legen Schuhe auf Sitze, hinzu kommen gelegentlich unangenehme Gerüche. Am angenehmsten reist man mit dem Metronom.

Pünktlichkeit: Verspätungen treten häufig auf. Beispiel: Der Zug in Bardowick sollte um 17:38 Uhr kommen und fuhr erst um 18:00 Uhr – der Anschluss war weg.

Anbindung: Der Zug aus Richtung Cuxhaven kommt einmal stündlich. Um danach den Bus zu erwischen, muss man abends mindestens 20 Minuten warten oder zu Fuß gehen. In Richtung Cuxhaven haben wir es mehrmals erlebt, den Bus frühzeitig genommen zu haben und den Zug trotzdem abfahren zu sehen – dann eine Stunde warten auf den nächsten. Wer einen wichtigen Termin hat: mindestens eine Bahn früher nehmen.

Fernverkehr

Mit dem ICE von Hamburg nach Berlin (ca. 1:45 h) oder München (ca. 5:41 h) ist eine sehr angenehme Art des Reisens – die empfehlen wir gerne. Das Problem ist die Anbindung: Was nützt der schnelle ICE, wenn man den Bus nach Hause verpasst?

Fazit

Wer in einer Metropole wie Hamburg oder Berlin lebt, für den sind öffentliche Verkehrsmittel vermutlich eine echte Alternative zum Auto. Wer aber etwas ländlicher wohnt, sieht es anders. Katastrophale Anbindungen, häufige Verspätungen und verschmutzte Sitze machen das eigene Auto nicht zu einem Luxusgut, sondern zu einer Notwendigkeit. Eine kurzfristige Verkehrsmittelwende ist vielen Menschen auf dem Land schlicht nicht zuzumuten. Das Experiment endet mit der Rückkehr zum Auto.