Fazit: Ein Jahr ohne Auto in Buxtehude

Ein Jahr ohne Auto ist das möglich? Diese Frage stellten wir uns vor ziemlich genau einem Jahr. Natürlich gibt es zu diesem Thema die unterschiedlichsten Meinungen, aber im Endeffekt kommt es auf das Reiseprofil und den jeweils vorhandenen öffentlichen Nahverkehr an.

Buxtehude

Wir leben in Buxtehude. Die Hansestadt hat rund 40.000 Einwohner und ist von der Metropole Hamburg rund 40 KM (Stadtzentrum) entfernt. Verfügt über einen Bahnhof und ist Teil des HVV (Hamburger Verkehrsverbund). Weiterhin gibt es Bahnverbindungen nach Bremerhaven (über Bremervörde) und nach Cuxhaven.

Der Bahnhof ist rund 1,9 KM sprich ca. 20 bis 30 Minuten Fußweg entfernt. Die nächste Einkaufsmöglichkeit (ein Supermarkt) ist rund 550 Meter sprich 7 Minuten Fußweg entfernt. Buxtehude verfügt über zwei Bio-Läden einer am Bahnhof und einer am Hafen (ca. 3 bis 4 KM entfernt). Wobei es in Buxtehude keinen Fährverkehr am Hafen gibt. Der ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) liegt in der Innenstadt und somit rund 1 KM vom Bahnhof entfernt, jedoch fahren viele Linien über den Bahnhof.

Nun zu unseren Erfahrungen in einem Jahr ohne Auto.

Einkaufen mit dem Rad

Der Einkauf von normalen Lebensmitteln ist auch mit dem Fahrrad möglich. Schnee gibt es in unserer Region kaum, jedoch ist Regen durchaus möglich. Der Zeitunterschied zwischen Auto und Fahrrad dürfte bei ca. 5-10 Minuten je Strecke liegen. Es ist aber nicht allein die Fahrzeit, es gibt auch folgende Vor- und Nachteile die das Einkaufen mit einem gewöhnlichen Fahrrad mit sich bringen:

Vorteile:

  • Man hat mehr Bewegung.
  • An der frischen Luft unterwegs.
  • Umweltfreundlich
  • Zeitlich flexibel

Nachteile:

  • Man kann Nass werden.
  • Transport von Getränkekisten nicht möglich.
  • Fahrrad aus dem Keller holen = Kraft- und Zeitaufwand.
  • Mit 10 bis 20 KG Ladung und Bergauf kommt man ins schwitzen, sprich eine Dusche nach dem Einkauf ist nicht selten. = Noch mehr Zeitaufwand.

Deutsche Bahn in Niedersachsen

Dank dem Niedersachsen-Ticket kann man mit zwei Personen für EUR 29,- durch ganz Niedersachsen und nach Hamburg reisen und das sogar inklusive Busfahrt. Wenn man so z.B. nach Bremerhaven in das Klimahaus oder nach Hannover reisen möchte, ist dies auf den ersten Blick eine kostengünstige Alternative zum Auto.

Man sollte hierbei auch nicht die anderen Länder-Tickets außer Acht lassen. Mit dem Schleswig Holstein Ticket kann man mit zwei Personen z.B. für 33,- EUR (gültig ab Neu Wulmstorf) bis nach Westerland auf Sylt oder sogar nach Tøndern in Dänemark fahren.

Mit dem Mecklenburg-Vorpommern-Ticket könnte man ab Hamburg (gültig ab Neu Wulmstorf) z.B. zur Insel Rügen oder Usedom für nur 27,- EUR reisen.

Im allgemeinen sind die Ticket NUR in Nahverkehrszügen wie z.B. dem RB oder Metronom ab 09:00 Uhr gültig. Beim Niedersachsen-Ticket sind sogar noch die meisten Buslinien inklusive. Durch diese Einschränkungen bei der Bahnwahl ist man aber meist auch sehr lange unterwegs, so benötigt man z.B. von Neu Wulmstorf zum Ostseebad Binz zirka 5 Stunden und 35 Minuten, sofern alle Züge pünktlich sind.

HVV

Seit einigen Jahren ist Buxtehude an den Hamburger Verkehrsverbund kurz HVV angeschlossen. Für 2 Personen zahlt man so mit dem 9 Uhr Gruppen-Tagesticket 24,80 EUR und bei Online Buchung 24,06 EUR. Im Vergleich zu den Kosten einer Autofahrt finden wir das recht teuer!

Sauberkeit & Komfort

Einen sauberen Sitzplatz zu finden ist teils eine Herausforderung, was auch daran liegt das viele Menschen Ihre Füße samt Schuhen auf den Sitzplätzen abstützen oder ablegen. Hinzu kommen gelegentlich auch noch sehr unangenehme Geruchsbelästigungen.

Im Nahverkehr reist man am ruhigsten und schnellsten mit dem Metronom so z.B. von Buxtehude zum Hauptbahnhof in Hamburg oder nach Cuxhaven.

Pünktlichkeit

Sollte man einen wichtigen Termin haben, sollte man mindestens eine Bahn früher nehmen. Verspätungen treten häufig auf. So standen wir gerade erst in Bardowick am Bahnhof, der Zug sollte um 17:38 Uhr kommen, tatsächlich fuhr er dann aber erst um 18:00 Uhr. Den direkten Anschluss verpassten wir somit ebenso.

Anbindung

Der Zug aus Richtung Cuxhaven kommt in der Regel einmal stündlich in Buxtehude an.  Möchte man dann den Bus nutzen, muss man zumindest Abends mindestens 20 Minuten warten. Sprich wenn es nicht in Strömen regnet läuft man zu Fuß.

Will man umgekehrt mit dem Bus den Zug in Richtung Cuxhaven erreichen, dann sollte man gleich einen Bus früher nehmen, also 30 Minuten früher losfahren. Nimmt man die vorgesehene Verbindung, dann sieht man den Zug nach Cuxhaven mit Glück gerade noch abfahren, weil der Bus häufig Verspätung hat. In dem Fall darf man eine Stunde auf den nächsten Zug in Richtung Cuxhaven warten. Dies mussten wir leider mehrmals erleben.

In Richtung Hamburg klappt das schon besser. Hier haben wir es jedoch auch mehrmals erlebt, dass der Metronom aus Richtung Hamburg Verspätung hatte und man den Bus ebenfalls nicht mehr erreicht hat und wir dann laufen durften.

Fernverkehr

Mit dem ICE z.B. von Hamburg nach Berlin (z.B. in 1 Stunde und 45 Minuten) oder München (z.B. in 5 Stunde und 41 Minuten) zu reisen ist eine sehr angenehme und schnelle Art des Reisens, die wir empfehlen können. Aber was nützt es, wenn die Anbindung dann nicht klappt?

Fazit: Ein Jahr ohne Auto

Wer in einer Metropole wie Hamburg und Berlin lebt, für den sind öffentliche Verkehrsmittel vermutlich eine echte Alternative zum Auto. Wer jedoch so wie wir ein wenig ländlicher wohnt, für den sieht es schon ganz anders aus.

Katastrophale Anbindungen, häufige Verspätungen und verschmutze Sitze machen das eigene Auto nicht zu einem Luxusgut, sondern zu einer Notwendigkeit. Wer hat schon Lust seine Lebenszeit ständig an irgendwelchen Haltestellen zu verschwenden.

Eine kurzfristige Verkehrsmittelwende ist somit kaum zu erwarten oder besser gesagt, vielen Menschen auf dem Lande nicht zuzumuten. Schade finden wir.

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