Es gibt viele Gründe einen Test über den SEAT LEON 2.0 TSI mit 190 PS zu machen. Es ist kein Geheimnis, dass SEAT zum VW Konzern gehört und somit viele Baukomponenten weitergegeben werden. Somit könnte man denken, bei SEAT erhält man den günstigeren Golf und das in einer TOP Qualität.
Test SEAT LEON 2.0 TSI
Wirft man einen Blick in die Konfiguratoren der Fahrzeughersteller stellt man jedoch folgendes fest. Einstiegspreis beim VW Golf (Trendline): 21.685,00 EUR und beim LEON (Style) 22.000,00 EUR – jeweils mit dem 1.0 TSI 85 kW (115 PS) Motor und einem 6-Gang-Schaltgetriebe. Danach ist der SEAT sogar teurer als der Golf (Stand 09/2019).
In 2019 bot SEAT für einige seiner Fahrzeugmodelle sehr günstige Leasingkonditionen an, zumindest auf den ersten Blick. Auch der VW Golf wurde dieses Jahr mehrmals sehr günstig – zumindest für Gewerbetreibende – angeboten. Hierbei sollte man sich jedoch genau die Überführungs- oder Werksauslieferungskosten ansehen, die Unterschiede zwischen einer VW Werksauslieferung und der von SEAT können einige hundert Euro betragen.
Ein drittes Argument für einen LEON Fahrbericht wäre, dass SEAT die sportlichere Marke im VW Konzern sein soll. Lässt man das Design außen vor, verbleibt ein etwas härteres Fahrwerk als beim Golf. Berücksichtigt man nun, dass der Durchschnittslohn in Spanien rund 1.200,- EUR niedriger sein soll als in Deutschland, so müsste ein SEAT von höchster Qualität sein.
Ein Kompaktwagen mit 140 kW sprich 190 PS und einem 7-Gang-DSG Getriebe stellt sicher, dass man als Tester jederzeit zügig voran kommt, zumindest in dieser Fahrzeugklasse.
Fahrbericht mit der Ausstattungslinie FR
In der hochwertigen Ausstattungslinie FR wirkt der Wagen auf den ersten Blick sehr attraktiv. Dem Gegenüber steht ein Brutto-Listenpreis in Höhe von EUR 34.889,00.
Neben FR gibt es aktuell noch die Ausstattungslinien Style, Xcellence, FR Black Matt Edition. FR verfügt hierbei über folgende Ausstattungsmerkmale:
- 17″-Leichtmetallräder
- Doppelauspuffendrohr (nicht alle Modelle!)
- LED Heckleuchten
- Getönte Scheiben
- 8″ Media-System Plus
- SEAT Drive Profile (nicht alle Modelle) / Fahrerlebnisschalter
- Elektronische Differenzialsperre vorn
- Front Assist
- ESP, Airbags
- Reifenkontrollanzeige
- Climatronic 2 Zonen
- Sport-Komfortsitze vorn
Motor mit 190 PS
In unserem Testwagen ist ein 2.0 TSI Motor verbaut, sprich es handelt sich um einen Vierzylinder Motor mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, der 140 kW / 190 PS leistet. Gekoppelt mit dem 7-Gang-DSG Getriebe werden bis zu 320 Nm erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 232 km/h liegen.
Damit steht eigentlich zu jeder Zeit ausreichend Leistung zur Verfügung. In kaltem Zustand schaltet er im ECO-Modus etwas früher hoch, dann empfindet man den Motor als etwas unkultivierter.
Ist die Betriebstemperatur erreicht, dann schaltet der Wagen angenehm weich oder auch sportlich agil, je nach Fahrprogramm. Der Motor hört sich dann angenehm kernig oder bei Vollast auch sportlich an. Im Sport-Profil greift der Wagen auf alle Reserven zurück, die man bei leicht feuchter Straße jedoch kaum in Anspruch nehmen kann. Bei trocknem Asphalt zieht der Wagen hervorragend und erinnert an einen Golf GTI.
In Punkto Verbrauch ist quasi alles möglich. In unserem Autotest haben wir es geschafft den LEON auch unter 6 Liter je 100 KM zu bewegen – dies aber auch nur bei entspannter Fahrweise auf der Landstraße. Tritt man zwischenzeitlich nur mal kurz aufs Gas, dann wird eine 6 am Anfang des Verbrauchswertes stehen. Wer gern sportlich im Alltag mit Stadtverkehr unterwegs ist, wird es kaum unter 7 Liter schaffen.
Assistenzsystem mit Schwächen
Schaut man sich die Aufpreislisten der Sonderausstattungen der beiden Autohersteller an, stellt man fest, dass viele Optionen im Vergleich bei SEAT günstiger sind. Hier einige Beispiele zwischen VW Golf und SEAT LEON:
- Rückfahrkamera 295,- zu 280,- EUR
- Navigationssystem mit Radio: 1.005,- zu 915,- EUR
- ACC 320,- zu 300,- EUR
Die Leistungsfähigkeit der Assistenzsysteme – zumindest im Vergleich zu einem VW Passat – ist ein deutlicher Unterschied. Während eigentlich bereits seit einigen Jahren das ACC / Distronic Tempomat auch stehende Autos an einer Ampel erkennt, zieht es der SEAT Leon 2.0 TSI FR vor, diese Fahrzeuge zu ignorieren. Dies zumindest so lange bis unserem Testfahrer der Angstschweiß auf der Stirn stand und er selbst die Bremsung eingeleitet hat. Wir halten das für sehr gefährlich, mehr dazu in unserem Testvideo.
Innenraum
Im Innenraum hat man auf allen Plätzen ausreichend Platz. Lediglich für einige Nutzergruppen könnte der Kofferraum mit 386 Litern etwas größer sein. Obgleich der LEON zu der Klasse der Kompaktfahrzeuge gehören dürfte, hat er vorn keine höhenverstellbaren Gurte.
Beim Design wollte man sich an einigen Stellen deutlich von Volkswagen abgrenzen, so z.B. bei den futuristischen Türgriffen oder auch den nicht gepolsterten Ablageflächen, deren Flaschenentnahme insbesondere während der Fahrt nicht immer ganz einfach ist.
Schließt man das Handschuhfach von der Fahrerseite aus und drückt es somit an der oberen linken Ecke zu, dann besteht die Gefahr, dass es während der Fahrt selbstständig wieder aufgeht. Nur wenn man es mittig oder mit viel Schwung schließt ist es wirklich verschlossen.
Der digitale Tacho ist gut ablesbar und vielfältig konfigurierbar. In der futuristischsten Übersicht (Karte über das ganze Display) werden allerdings keine Pfeile für die Routenführung angezeigt. Man kann die Karte entweder im Infotainment oder im Tacho anzeigen lassen, beides parallel geht nicht.
Mit der Sprachsteuerung kann man dank einer guten Erkennung eine Adresse (Ort, Straße, Hausnummer) in einem Rutsch diktieren. Leider ist die Funktionsweise des Systems begrenzt. Für Ziele im Ausland wie z.B. für Kroatien steht die Spracherkennung nicht zur Verfügung.
In unserem Testwagen hörten wir von hinten rechts (C-Säule) immer wieder ein nerviges Knarzen. Insgesamt scheint der Wagen nicht sonderlich gut gedämmt zu sein und somit erscheint der Wagen im Innenraum recht laut, insbesondere bei nasser Fahrbahn.
Fazit SEAT LEON 2.0 TSI FR
Der SEAT LEON 2.0 TSI FR ist ein Kompaktwagen, der mehr als ausreichend motorisiert (190 PS) ist. Für rund 35.000,- EUR hätten wir jedoch mehr erwartet. Während die Getriebe-Motor-Kombination in warmem Zustand vollständig überzeugt, schwächelt der LEON FR in vielen anderen Bereichen.
- ACC gefährliche Erkennungsschwäche
- Knarzen im Innenraum
- Türgriff Beifahrerseite schwer gängig
- Keine Dauereinblendung des Handyzustandes
- Handschuhfach schließt nicht immer
- Spurhaltesystem fährt Schlangenlinien
Wer sich einen Kompaktwagen kaufen will, sollte auch Alternativen wie den VW Golf oder den Renault Megane in Erwägung ziehen. Natürlich machen 190 PS Freude, aber ein Auto ist schließlich mehr als nur sein Motor.

