Test Mercedes S580 L 4MATIC (503 PS) – Fahrbericht & Review 2024 – UTBOERG TV
UTBOERG TV · 9. Februar 2025
Was kostet die Spitze? Der Mercedes S580 L 4MATIC der Baureihe V223 steht mit ca. 191.000 Euro Testwagen-Preis für das, was das Haus Stuttgart an Luxuslimousine zu bieten hat – unterhalb der Maybach-Linie. UTBOERG TV ist den S580L auf Langstrecke gefahren und hat dabei V8-Klang, Digital Light, Drive Pilot und Fondkomfort unter die Lupe genommen.


V8 Biturbo: 503 PS aus vier Litern
Unter der Haube des S580 arbeitet ein 4,0-Liter-V8-Biturbo mit 503 PS und 700 Nm Drehmoment. Das Aggregat ist über die 9G-Tronic mit dem 4MATIC-Allradantrieb verbunden. Im Alltag fährt der V8 kaum auf – er tritt sanft an, trägt leise und schiebt auf Wunsch kraftvoll nach vorne. Bis 200 km/h bleibt der S580 erstaunlich entspannt; die empfohlene Autobahn-Reisegeschwindigkeit liegt bei rund 160 km/h, wo Motor und Getriebe im Overdrive nahezu lautlos surren.
Der direkte Vergleich mit dem S450 d (6-Zylinder-Diesel) fällt nüchtern aus: Fahrdynamisch liefern beide ein ähnliches Ergebnis – der Diesel mit weniger Verbrauch, der V8 mit mehr Klang und Charakter. Wer keine emotionale Bindung an den Achtzylinder mitbringt, ist mit dem S350 D oder S450 d meist besser bedient.


Fahrkomfort: AIRMATIC, Dämmung und Langstrecke
Die serienmäßige AIRMATIC-Luftfederung nivelliert Bodenwellen, Kopfsteinpflaster und Autobahnfugen zu einem gleichmäßigen Teppich. Das Fahrwerk passt die Dämpferhärte je nach Fahrmodus automatisch an – in „Comfort" gleitet der S580 über Unebenheiten, in „Sport" strafft er sich spürbar ohne zu poltern. Die Geräuschdämmung ist auf einem Niveau, das in dieser Klasse als selbstverständlich gilt und trotzdem immer wieder beeindruckt: Windgeräusche sind bis 130 km/h kaum wahrnehmbar.
Auf langen Autobahnstrecken zeigt die S-Klasse ihre eigentliche Domäne. Der Fahrer sitzt in elektrisch verstellbaren, beheizten, klimatisierten und massierenden Sitzen. Das Lenkrad liegt leicht und präzise in der Hand. Der Distronic-Abstandsassistent regelt Geschwindigkeit und Abstand so sanft, dass sich eine mehrstündige Fahrt ohne Ermüdung absolvieren lässt.


MBUX und Digital Light: Technologie der Extraklasse
Das MBUX-Infotainmentsystem dominiert das Cockpit mit einem 12,8-Zoll-Hochkant-Touchscreen in der Mittelkonsole und einem 12,3-Zoll-Fahrerdisplay. Die Bedienung ist intuitiv: Sprachsteuerung reagiert auf „Hey Mercedes", Navi und Klimasteuerung sind direkt erreichbar, der Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole ergänzt den Touchscreen sinnvoll.
Das optionale Digital Light gehört zu den beeindruckendsten Sonderausstattungen: Es projiziert Spurmarkierungen, Geschwindigkeitsschilder und Richtungspfeile direkt auf die Fahrbahn vor dem Fahrzeug und blendet entgegenkommende Fahrzeuge präzise aus – links und rechts bleibt die Straße hell ausgeleuchtet. Das ebenfalls optionale Augmented-Reality-Head-up-Display legt Navigations-Pfeile scheinbar auf die Straße vor das Auto.
Der Drive Pilot (Level-3-Automat, im Testwagen verbaut) fährt auf freigegebenen Autobahnabschnitten bis zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit vollständig selbstständig – die Hände dürfen vom Lenkrad. In der Praxis ist das System auf klaren Autobahnabschnitten überzeugend, in Baustellen nicht nutzbar.


Der Fond: gebaut für Passagiere
Die Langversion V223 bietet im Fond 140 mm mehr Radstand gegenüber der Standardversion – das merkt man. Fond-Passagiere sitzen in Leder-Multikontursitzen mit Rauten-Nähten, die sich elektrisch verstellen, heizen, klimatisieren und massieren lassen. Optional stehen zwei Fond-Bildschirme bereit, über die sich Infotainment und Klimaanlage bedienen lassen. Elektrisch versenkbare Sonnenschutzrollos an Seiten- und Heckscheibe gehören zur Sonderausstattung des Testwagens.
Der Kofferraum fasst 540 bis 550 Liter; die mittlere Rücklehne lässt sich umklappen. Wer die optionale Kühlbox wählt, verliert allerdings das Durchladefach.
Verbrauch und Kaufberatung
Der V8-Benziner trinkt bei zügiger Autobahnfahrt über 10 Liter je 100 km – für viele Käufer ein K.O.-Kriterium. Wer die S-Klasse primär als Reiseauto nutzt, fährt mit dem S350 d (286 PS, ca. 6–7 L/100km) oder S450 d (367 PS, ca. 6,5–8,5 L/100km) wirtschaftlicher und verliert kaum an Fahrdynamik.
Durch gedrosselte Produktion 2024 sind am Markt Rabatte auf gebrauchte und junge S-Klassen möglich. Grundpreis S580L: ca. 144.000 EUR, der Testwagen kam durch Sonderausstattung auf ca. 191.000 EUR. Empfehlenswerte Pakete: Distronic Plus (serienmäßig), Digital Light (lohnt sich), Energizing-Komfort + Massagepaket (ca. 3.500 EUR), Fond-Bildschirme für regelmäßige Fondpassagiere.
Wichtig: Die Drive-Pilot-Lizenz und viele Online-Dienste sind nach der Testphase kostenpflichtig – ein neues Abomodell, das beim Kauf einzukalkulieren ist.
Fazit
Der Mercedes S580 L 4MATIC ist das unangefochtene Reiseauto der Extraklasse unterhalb des Maybachs. Digital Light, Augmented-Reality-HUD, Drive Pilot und das Fondkomfort-Paket setzen Maßstäbe. Der V8 ist emotional, aber nicht notwendig – wer nüchtern kalkuliert, wählt den Diesel. Wer den S580 wählt, kauft ein Automobil, das auf langen Strecken keine Wünsche offenlässt und in jeder Situation signalisiert: hier ist die Spitze.